Beeplog.de - Kostenlose Blogs Hier kostenloses Blog erstellen    Nächstes Blog   

E-Learning

Seminarbegleitung



Samstag, 03. Februar 2007

I am not amused

Von gralpia, 16:36

Da gehab ich doch heute morgen einen längeren Beitrag ins Wiki gesetzt, veröffentlich, gespeichert und kontrolliert - ja er war drin...und nun 2 Stunden später ist er wieder weg! Und das Word Dokument hab ich nicht gespeichert!!!

Außerdem geht mit das ewige Reinspringen von Werbung ins Wiki gewaltig auf die Nerven. Das mindeste was wir brauchen ist eine kleine Einführung.

Freitag, 02. Februar 2007

Weiterer Seminarverlauf

Von gralpia, 14:00

Hallo,

nach dem Highlight des cedis-Besuchs haben wir nun noch zwei Sitzungen im Seminar - und die sind gut gefüllt.

In der nächsten Sitzung möchte ich Ihnen meine Utopie von einem wirklichen E-Learning Konzept vorstellen. Das ist keineswegs darauf ausgerichtet, Lehradministrative E-Learning Modelle zu ersetzen, sonder Studenten wirkliche Lernhilfen zu liefern.

Danach stellt Yoshua uns seinen Beitrag vor.

In der letzten Sitzung stellt Anke Fintzel uns die e-learning Situatuation in Australien vor und wir hören als Abschluß unserer e-learning Rundgangs einen Beitrag über Didaktik des e-learnings.

Ich freue mich auf die beiden Abschlussitzungen.

Heinz Gralki

Thesen zum E-Learning

Von gralpia, 13:48

 

Heinz Gralki 

6 Thesen zum E-Learning

 

These 1: Der Name E-Learning ist irreführend. Stattdessen müsste es E-Teaching heißen

Der Name E-learning täuscht etwa vor, was das Konzept nicht halten kann, da es von einer Grund-idee ausgeht, die sich nicht am Lernen sondern am Lehren orientiert:

im Mittelpunkt aller aktuellen E-Learning Konzepte steht der Dozent und nicht der Student.

E-Learning Modelle sind eigentlich E-Teaching Modelle, deren Hauptzweck es ist, Lehrenden ihre Arbeit erleichtern. Es erleichtert ihnen die Verwaltung von Teilnehmerlisten, die Veröffentlichung aktueller Seminarnachrichten und die Verbreitung von Dokumenten durch Downloads, anstelle von Handapparaten. Die aktuellen E-Learning Konzepte bieten Dozenten Arbeitshilfen für einige wich-tige Aspekte ihres professionellen Handelns, die bis jetzt auf andere Art – d.h. ohne Einsatz von PC und Internet – erledigt wurden, bzw. durch die Sekretariate der Lehrenden.

Die Lernenden werden lediglich dadurch berücksichtigt dass man ihnen Angebote zur Interaktivität und Kommunikation macht – die allerdings sind bei Studierenden (und anderen E-Learning Nut-zern) nicht sonderlich beliebt. Sie werden nur von einer Minderheit genutzt. Ein Blick auf die Teil-nehmerzahlen von Chats und Foren zeigt das deutlich – bestenfalls beteiligt sich ein harter Kern von Nutzern, die Mehrheit bleibt schweigend. Vergleicht man Aufwand und Ertrag, so ist das Ergeb-nis bedrückend. Werden Foren noch in geringem Maße kontinuierlich genutzt, so werden Chat-An-gebote so gut wie nie in Anspruch genommen.

An dieser Situation wird sich auch durch die Implementierung anderer Kommunikationsangebote wie Blogs und Wikis nichts ändern.

Über die Gründe könnte nachgedacht werden. Eine Vermutung ist die, dass E-learning Angebote weitgehend von Internetexperten und Web-Designern entworfen werden, die keinen Zugang zu di-daktischen und lernpsychologischen Aspekten von Lehren und Lernen haben – aber auch nicht zur Lebenwelt der Studierenden.

Das gilt mehr oder weniger für alle E-learning Angebote, die mir bekannt sind.

These 2: Didaktische Vielfalt und nicht monopolistische Modelle sind in der Lage Lehren und Lernen nachhaltig zu verbessern.

Anders als zu Beginn der E-learning Modelle Anfang und Mitte der neunziger Jahre, bieten die E-learning Modelle dem Dozenten nichts, was er sich nicht ohne Aufwand und weitgehend auch ohne Kosten aus dem Internet besorgen kann. Es gibt keinen plausiblen Grund, warum ein Dozent ein zentrales  E-Learning Angebot mit einengenden Vorgaben benutzen sollte. Didaktische und akade-mische Fantasie und Kreativität werden so in hohem Maße eingeschränkt. Niemand käme auf die Idee Seminare, Vorlesungen und andere Lehrveranstaltungstypen über ein Minimum hinaus nor-mieren zu wollen.
Zudem nährt eine zentrale Lösung – ob zu Recht oder Unrecht – gerade bei Studenten immer wieder der Kontrollverdacht, was letztlich wieder dazu führt, dass die klassischen E-Learning Ele-mente als unattraktiv erlebt werden.

Nützlich wäre eine Zentralisierung allenfalls auf drei Ebenen:

a) das Angebot von Baukastenelementen zum leichten Aufbau von Websites mit allen - auch den interaktiven – Elementen. Ein einheitliches, jedoch nicht verpflichtendes FU-Loge könnte bereitgestellt werden, so wie es für Briefköpfe ja bereits existiert. Es wäre voraussichtlich eine relativ simple Aufgabe, z.B. das hervorragende Angebot von www.beepworld.de akademischen Ansprüchen anzupassen. Allein im deutsch-sprachigen Netz finden sich über 2000 Angebote dieser Art

b) eine auch für ältere Geisteswissenschaftler, Mediziner und Juristen  leicht verständ-liche und auf Fachjargon konsequent verzichtende Einführungsbroschüre nach dem didaktischen Prinzip: „First do it, than understand it!“

c) ein zentrales Angebot von Musterdesigns, die von Lehrenden verändert und nach Bedarf erweitert werden können, ist in einem dezentralen Ansatz durchaus denkbar und vielleicht auch erwünscht.

Vielfalt, die didaktische Fantasie weckt, sollte das Kennzeichen der von Dozenten selbst geschaffenen digitalen Veranstaltungsbegleitung sein und nicht bürokratische Organisation des Veranstaltungsmanagements.

These 3: Zur Verbesserung des akademischen Lehrens und Lernens sollte die Rolle der Dozenten gestärkt und den Lernenden Hilfe für den Lernprozess angeboten werden

Die Suche nach einem  “Nürnberger Trichter“ durchzieht die Geschichte der Unterweisung von An-beginn an. Dabei ist diese Suche genauso illusionär wie die Suche nach dem Schlaraffenland oder Shangri La.  Weder lernzielorientierter Unterricht, Curriculumreform, mastery learning noch e-lear-ning haben auch nur einen einzigen Schritt in die gewünschte Richtung machen können. Der Traum beruht auf der Verkennung eines zentralen Sachverhaltes:

Lernen ist ein mühsamer Prozess der mit Arbeit, Üben und Praxis verbunden ist und zum Le-rnen gehören meist zwei Personengruppen: Lehrende und Lernende. Gute Lehre entsteht durch das Zusammentreffen von guten Lehrenden mit guten Studenten.

Im Zusammenhang mit dem E-Learning Hype ist die Rolle des Dozenten auf ein Minimum reduziert worden. Bevor der Rückzugsbegriff  “blended learning“ – der nichts anderes als das Scheitern an-fänglicher E-Learning Träume bedeutet -  in die e-learning Diskussion kam, verlor der Dozent seine Berufsbezeichnung und wurde zum content-manager – die Regie führten die Internetexperten!

Strebt man hingegen “gute Lehre“ an, so wird man die didaktische Fantasie und Kreativität des Dozenten fördern und unterstützen müssen.

Es ist ein Kuriosum einer Universität, die sich um den Titel “Elite-Universität“ bemüht, das sie der Hochschuldidaktik keine Bedeutung beimisst. Dabei ist der Erwerb didaktischer Kenntnisse heute angesichts der vielen technischen Möglichkeiten, die im Lehrprozess sinnvoll genutzt werden könnten, in den letzten 10 Jahren so immens gewachsen, dass kein Dozent hier einen Überblick bekommen kann. Selbst so triviale Techniken wie einen digitalen Text mit Hyperlinks zu versehen oder auf effiziente Art mit e-Mail-Systemen umzugehen - sind den meisten Lehrenden unbekannt.

E-Learning Modelle, deren Augenmerk in erster Linie auf die bürokratische Verwaltung von Veranstaltungen gerichtet sind, schenken diesem Aspekt keinerlei Aufmerksamkeit.

Gleiches gilt für die andere Seite der Lehre. Im Netz steht eine unübersehbare Fülle von Hilfsmitteln zur Verfügung, die Studenten das Lernen erleichtern könnten.  Beide Seiten könnten verzahnt werden: ein Hochschullehrer, der seine eigene unverwechselbare Veranstaltungsseite im Netz hat, könnte, sollte, müsste seine Studenten auf diese Möglichkeiten aufmerksam machen und diese Techniken in sein didaktisches Konzept einbauen.

These 4: Buch und Bildschirm

Die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) – eine Einrichtung der Entwicklungshilfe – hat 11 renommierte europäische E-learning Programme untersucht.

http://www.crystal-elearning.net/sites/crystal-elearning.net/myzms/content/e433/e937/eLearning-Potenziale_f-bb_ger.pdf

Sofern hier über die Einstellungen von Lernenden zu E-Learning-Programmmen berichtet wird, sticht eines hervor: die Lernenden empfinden es als ausgesprochen positiv, dass das Lernmaterial ausgedruckt werden kann. Dies Ergebnis ist verständlich: den meisten Menschen ist es angenehmert, einen Text auf Papier zu lesen, als auf dem  Bildschirm.

Es ist eine irrige Vorstellung, dass Bildschirmtexte ein gleiches Leseerlebnis und eine gleiche Lerneffektivität erreichen wie die Lektüre eines Buches.

Der Bildschirm eignet sich hervorragend für die schnelle Informationsgewinnung, z.B. Nachrichten, Bahnverbindungen und Lottozahlen, auch  google, Wikipedia und openBC. Hervorragend geeignet ist es auch wohl für Adventurespiele wie everquest2 oder second life.

Lehrstoffe mit Prüfungsrelevanz verlangen vom Lernenden jedoch andere Kompetenzen, die beim E-Learning gerade nicht im Mittelpunkt stehen: das Bearbeiten von Stoff, das Wiederholen und Einprägen des Stoffes, das Finden und Entwickeln von Strukturen, das sinnvolle strukturierte Archivieren des Stoffes u.ä.

Alle diese lernunterstützenden Elemente bleiben bei klassischen E-Mail-Modellen unberücksichtigt.  

Es bleibt unverständlich warum Unterrichtsinhalte nicht grundsätzlich in Papierform angeboten werden, zumal Buch, Broschüren und Skripte gerade das ermöglichen, was ungerechtfertigterweise dem E-Learning zugeschrieben wird: learning on demand.

Nur ein Buch kann man auch in der Kneipe, im Bus oder im Strandbad lesen und bearbeiten.

These 5: Attraktivität des PCs wird von E-Learning-Machern falsch eingeschätzt. E-learning Angebote haben einen sehr geringen Verbindlichkeitscharakter

Die Anbieter von E-learning Portalen schätzen die Attraktivität ihrer Angebote meist falsch ein.

Für die Mehrheit der Personen die sie ansprechen, ist die Arbeit an einem PC eher ein lästiges Übel, so dass die Zeit am Computer möglichst gering gehalten wird und man sich auf das wesentliche beschränkt.

Allerdings gibt es unter Studenten auch die andere Gruppe derjenigen, für die der PC zu einem wichtigen Lebensinhalt geworden, aber das ist nach eigenen Untersuchungen eine relativ kleine Minderheit und bezieht sich meist auf andere Dinge als auf Lernen.

Problematisch wird aber die Situation, wenn das Ziel angestrebt wird, signifikant mehr Lehrveranstaltungen als heute an Blackboard anzubinden. Dann würde die Zeit, die Studenten zwangsweise am PC arbeiten müssten, erheblich anwachsen, was wiederum die Attraktivität von E-Learning schmälern würde..

Die Unbeliebtheit des Arbeitsplatzes PC hat überdies noch eine weitere Folge, die den Erfolg von E-Learning einschränkt.

Bei unerwarteten alltäglichen Ereignissen sinkt die Priorität, die Studenten der Bildschirmarbeit einräumen, schlagartig ab und geht nicht zurück auf das vorherige Niveau. Für einige Zeit bleibt der Vorsatz die abgebrochene Arbeit nachzuholen, dabei bleibt es dann aber in der Regel.

Exemplarisch habe ich dies in drei Managementkursen zweier großer deutscher Unternehmen erlebt: bei den kleinsten Störungen wie Kundenanfragen, Chefgespäche usw. ist E-Learning das erste was ausgesetzt wird.

These 6: Blackboard im Vergleich

Von allen mir bekannten E-Learning Modellen ist Blackboard das behäbigste, komplizierteste und nutzerunfreundlichste. Gerade in diesem Bereich, dessen Notwendigkeit und Existenzberechtigung nicht offenkundig ist, kann man es der Mehrheit der Dozenten an unserer Universität kaum zumuten, so viel Zeit zum Erwerb der entsprechenden Kompetenz einzubringen, wie es nötig wäre, um mit dem Modell professionell zu arbeiten. Stattdessen müsste die Devise zur Verbreitung des Modells heißen: Kep it simple and stupid – wenn man denn eine weitere Verbreitung anstrebt.

 

,

Niklas + Kommentar

Von gralpia, 13:39

Das CeDiS-Prinzip

Bei der gestrigen Fragerunde mit dem CeDiS-Leiter Dr. Apostolopoulos verteidigte dieser nachdrücklich die Angebote von CeDiS. Die Veranstaltung war informativ wenngleich an einigen Stellen vielleicht auch etwas bizarr (”Hühner mit Kontaktlinsen…”).

Nicht zuletzt der mit aufgeblasenen Backen gemachten Ansage von FUwatch es würde zu einem “High Noon” kommen war es zu verdanken, dass sich neben Dr. Apostolopoulos mit Kathlen Raith und Stefan Cordes noch zwei CeDiS-MitarbeiterInnen im Seminar einfanden (auch wenn sie nicht viel sagten). Als weiterer Gast wohnte der Veranstaltung auch noch ein ZEDAT-Mitarbeiter bei, um speziell die neue “Account-Poliik” zu verteidigen (wozu wir aus Zeitgründen aber nicht mehr kamen). Auf studentischer Seite hatte das Säbelrasseln von FUwatch wenig gebracht, die eigentlichen SeminarteilnehmerInnen blieben im wesentlichen unter sich.

Im folgenden die zentralen Positionen und Argumente von Dr. Apostolopoulos.

1) 20-Jahres-Pläne

Der Kritik, dass die von Studierenden und Dozierenden tatsächlich genutzten Blackboard-Funktionen nicht viel mit “E-Learning” zu tun hätten, entgegnete Dr. Apostolopoulos zweierlei. Erstens reiche die Bereitstellung eines Learning-Management-Systems wie Blackboard natürlich nicht aus, um E-Learning praktizieren können. Zu E-Learning gehöre nun mal mehr. Zweitens würde es einfach noch dauern, bis E-Learning wirklich so praktiziert würde, wie man es sich heute idealtypisch vorstellt. Wie lange genau, kann keiner sagen. Vielleicht 10, 15 oder 20 Jahre.

Eine geschickte Argumentation: Man stellt einen Service bereit und wenn dieser Service nicht oder nur sehr wenig in seiner kompletten Funktionalität genutzt wird, sagt man einfach, es brauche eben noch Zeit, bis sich das ändert. Mit dieser “futuristischen Argumentation” kann man natürlich so ziemlich alles rechtfertigen.

Das ist ungefähr so, als wenn die Bundesregierung auf die Kritik Hartz-IV würde nicht funktionieren entgegnet, es sei noch viel zu früh das abschließend beurteilen zu können. Selbst unter der Voraussetzung sie hat damit recht (wovon nicht auszugehen ist), kann man keinem Spitzenpolitiker eine solche Argumentation durchgehen lassen. Denn in dem Moment, in dem man den messbaren Erfolg einer Maßnahme an einem nicht näher konkretisierten Zeitpunkt in der Zukunft veranschlagt, entfällt jegliche Möglichkeit über den tatsächlichen Nutzen der Maßnahme eine Aussage treffen zu können.

2) Wir handeln nur, wenn wir dazu aufgefordert werden

Dr. Apostolopoulos betonte, dass CeDiS nicht einfach von sich heraus irgendwelche Neuerungen beschließt. Es würden zunächst Personen an CeDiS herantreten (dezentral, also unabhängig voneinander aus verschiedenen Fachbereichen) und Anforderungen stellen. Namentlich genannt wurde z.B. “die Publizisten” (konkret einige ProfessorInnen), die dann eben einen FU-eigenen Blogservice fordern. Also macht sich CeDiS daran, einen solchen Blog-Service ins Studierendenportal (bzw. Blackboard) zu integrieren.

Nur auf der empirischen Grundlage von was eigentlich? Es reicht also, wenn einige Dozierende aus einigen Fachbereichen auf CeDiS zukommen? Keine Erhebungen, inwiefern deren Forderungen repräsentativ für den Rest der Uni sind? Und selbst wenn, wer sagt, dass das was die Dozierenden wollen auch von den Studierenden angenommen wird? Aber dazu kommen wir noch.

Um sicherzustellen, die Web 2.0 Features nicht am Bedarf vorbei zu planen, gab es wie berichtet eine Umfrage, bei der Studierende Auskunft geben sollten, was für Features sie sich für das Studierendenportal wünschen (bzw. was für Webangebote sie in ihrem Alltag bereits nutzen). Doch noch bevor das Ergebnis dieser Umfrage feststeht (in ungefähr einer Woche soll es soweit sein), sind einige Features längst beschlossene Sache. Der Blog-Testbetrieb startet am 1. März, das Wiki-System kommt voraussichtlich im Sommersemester und CeDiS-Mitarbeiter Thomas Hüsing steht vor der Vollendung der Blackbird-Implementierung (das ist das RSS-Feature).

Hier kann also keine Rede davon sein, dass sich die Features daran orientieren, was die Studierenden in der Umfrage für Wünsche geäußert haben (was repräsentativ gefordert wird). Begründet wurde dies damit, dass das Wiki- und Blog-System als Zitat “unbedingt nötig” erachtet wurde und daher auf jeden Fall eingeführt wird. Trotzdem bleibt hier natürlich der fahle Geschmack zurück, diese Studierenden-Umfrage hatte eine reine Alibi-Funktion, um nach außen besser suggerieren zu können, man lege wert darauf, was die Studierenden wollen.

3) Wir stellen die Technik, für die Didaktik sind wir nicht zuständig

Dr. Apostolopoulos führte weiter an, CeDiS verstehe sich als ein Dienstleister, der die technische Infrastruktur bereitstellt, die dann ein E-Learning an der FU ermöglicht. Für die Integrierung der Angebote in die Lehre sei man aber nicht verantwortlich. Schließlich sei es jedem Dozierenden selbst überlassen, ob er die Serviceleistung von CeDiS nutzen möchte oder nicht.

Wenn also ein Angebot von CeDiS nicht angenommen wird, weil Studierende und/oder Lehrende einfach zu unflexibel im Umgang mit den neuen Techniken und Medien sind, ist das nicht das Problem von CeDiS. So nach dem Motto: Ich stelle dir einen schönen Sportwagen vor die Tür und wenn du nicht mit ihm fahren willst, ändert das auch nichts daran, das er schön ist. Herrlich.

4) Zusammenfassung des CeDiS-Prinzips

Riskieren wir anhand des einzuführenden Blog-Systems abschließend noch mal einen Blick in die Zukunft, um exemplarisch zu verdeutlichen wie die hier dargelegte CeDiS-eigene Logik funktioniert:

  1. Es treten einige ProfessorInnen aus verschiedenen Fachbereichen an CeDiS heran und betonen die Notwendigkeit eines FU-eigenen Blog-Systems.

     

  2. CeDiS handelt und beschließt die Implementierung eines Blog-Systems ins neue Studierendenportal.

     

  3. Man inszeniert eine Placebo-Umfrage, um zu klären, welche Nebenfeatures außer den bereits beschlossenen Hauptfeatures (darunter auch das Blog-System) ins Studierendenportal kommen sollen.

     

  4. Die Blog-Funktion wird den Studierenden präsentiert, die FU-Pressestelle gibt eine Pressemitteilung heraus die das neue Blog-System als kolossale Errungenschaft preist.

     

  5. Die Blog-Funktion wird nur zaghaft angenommen, nur ein Bruchteil der Studierenden findet Zeit und Nerv regelmässigen zu bloggen. Einige Dozierende versuchen begeistert die Blogs für ihre Lehrveranstaltung zu nutzen, doch die Studierende halten sich was die virtuelle Kommunikation angeht zurück.

     

  6. CeDiS erklärt, dass 1) es noch ungefähr vielleicht eventuell fünf Jahre dauern wird, bis das Blog-System wirklich von einer relevanten Anzahl an Studierenden genutzt wird und dass man 2) ja auch nichts dafür könne, dass die Studierenden (und auch viele Dozierende) so unflexibel auf die Neuerungen reagieren; dafür sei man nicht verantwortlich.

     

  7. Das nächste CeDiS-Projekt wird in Angriff genommen.

Hach, CeDiS-Mitarbeiter müsste man sein…

3 Kommentare »

  1. Thomas sagte,

    02.02.2007 @ 4:23 vormittags

    Fragen eines uninformierten Interessierten:

    Welche datenschutztechnischen Bedenken bestehen denn konkret in Hinblick auf die Zusammenlegung von Zedat-Accounts und Blackboard?

    Und was genau ist denn nun die Kritik an der CeDiS?

  2. LHG News-Blog » Blog Archiv » CeDiS-Fortschritte sagte,

    02.02.2007 @ 7:22 vormittags

    […] verfolgt und kritisiert auf FUWatch die Erweiterung und Zusammenführung der Online-Angebote der FU. Ich […]

  3. Apostolopoulos sagte,

    02.02.2007 @ 12:55 nachmittags

    Ich bin mit Freude zu dieser Veranstaltung gegangen, weil ich von einem sachlichen Dialog überzeugt bin und ganz CeDiS diesen mit den Lehrenden und den Lernenden gerne führt. Dieser Bericht verdreht (ungeschickt) völlig das Ergebnis der Diskussion. Die Schlussfolgenrungen und Kommentare des Autors Niklas sind in jeder Hinsicht unseriös.

    Fragen und Kommentare anderer Kommilitoninnen und Kommilitonen während der gestrigen Fragestunde haben mich überzeugt, dass es sich lohnt, trotz mancher Polemiker den Dialog mit den Studierenden zu suchen und zu intensivieren.

    Apostolopoulos

Nachlese Gralki

Von gralpia, 13:35
 

Nachlese zum Apostolopoulos Gespräch

Ich fand es begrüßenswert, dass Herr Apostolopoulos und seine Mitarbeiter sich unseren Fragen gestellt haben, obwohl sie vorher wussten, dass wir eine durchaus kritische Einstellung zur cedis, zum e-learning und zu Blackboard haben.

Sie antworteten sicher und selbstbewusst und man hatte durchaus den Eindruck, dass sie von ihrer Sache überzeugt sind. Nur an einigen Stellen – und vielleicht gerade denen, die uns besonders interessierten, verdeckte Eloquenz ein wenig die Klarheit.

Gerade die Frage nach der Auswahl von Blackboard war für mich problematisch.

Meine Fantasie reicht nicht einfach nicht aus, dass man nach eingehender Prüfung sich ausgerechnet für ein System entschieden hat, dass aus meiner Sicht das problematische, weil behäbigste und nutzerunfreundlichste ist.

Auf Nachfrage welches Institut denn besonders fortschritten im E-Learning sei,  erwähnte er als ein in besonders engagiertes Institut das LAI.

Ich habe mir daraufhin die Seiten es LAI einmal angesehen.

Die Institutsseite hat einen eigenen Bereich “e-learning“. Dort findet man auch einen Link zum Benutzerhandbuch für Blackboard. Es enthält 330 Seiten und Sätze wie diese

Sie können zwar die Verfügbarkeit von Elementen in einem Inhaltsbereich für jedes einzelne Element festlegen, jedoch hängt die Anzeige von Elementen für Benutzer davon ab, ob ein übergeordneter Ordner bis hin zum Stammordner des Inhaltsbereichs verfügbar ist. Ist ein übergeordneter Ordner nicht verfügbar, sind auch die darin enthaltenen Elemente nicht verfügbar. Wenn ein Ordner beispielsweise auf Nicht verfügbar, die Elemente im Ordner jedoch auf Verfügbar eingestellt sind, können die Benutzer die Elemente in dem Ordner nicht anzeigen.

Dies gilt auch für Elemente mit Regeln für die adaptive Freigabe. Wenn für einen Ordner eine Regel vorhanden ist, wodurch er für einen Teilnehmer nicht verfügbar ist, sind auch die Inhalte des Ordners für den Benutzer nicht verfügbar.

Und ich stelle mir den geisteswissenschaftlichen Gelehrten vor, der sich mit der Literatur Südamerikas beschäftigt , der sich mit diesem Buch auseinandersetzt. Die „siebte Umsatzsteuerdurchführunsverordnung zur steuerlichen Behandlung von Sojamehlersatzstoffen“ ist selbst für Steuerlaien eine leichte Lektüre dagegen.

Im  Online Tutorial – im Inhaltsverzeichnis eine Mischung von deutsch und englisch – wird einem dann auch noch die Lesegeschwindigkeit vorgeschrieben.

In kleinen Filmchen zuckelt in jeder Einheit langsam ein kleines  Filmchen über den Bildschirm um anzuzeigen, wo man im Ernstfall drücken muss – jede WORD-Hilfe ist ein Thriller dagegen.

Dann findet sich noch ein Kapitel mit der viel versprechenden Überschrift “Kursschmankel“.

Den neugierigen Leser erwartet eine Vielzahl von fachübergreifenden Kursbeispielen (Vulkanismus, Neue Medien und Arbeitstechniken in der Geschichtswissenschaft). Klickt man einen davon an, erwarten einen viele, viele Screenshots mit schrecklich trockenen  und unverständlichen Inhalten – man muss immerhin zugeben, dieses Tutorial wurde an einer anderen Universität entworfen, aber diese Seiten wurden vom LAI immerhin als “Lernhilfe“ den eigenen Seiten hinzugefügt.

Und dann war ich zur Vorbereitung auf ein anderes Seminar auf den Seiten von  “second life“ und erlebte, wie geschickt und gekonnt dem Newcomer hier das Spiel erläutert wird. Warum geht so etwas bei Blackboard nicht?

Und ich erinnerte mich an diese großartige amerikanische Buchreihe „“for dummies“ in der einem die schwierigsten Sachverhalte so gekonnt vermittelt werden. Schade nur, dass die deutschen Ausgaben des Verlags den Begriff „dummies“ übernommen haben und damit falsche Assoziationen hervorrufen.

Mein Besuch bei den Geographen war nicht viel erfolgreicher. Ich habe mir eine Seite über eine “hydraulische Versuchsrinne“ (mit Gastzugang) angesehen. Diese Seiten sind zwar mit mehr Bildern ausgestattet – aber wenn das die Zukunft des e-learning sein soll, dann sollten Studenten doch lieber Bücher lesen.

Ich will nicht bezweifeln, dass sich im Inneren der trockenen “LAI-E-Learning-Wüste“ fruchtbare und schöne didaktische Oasen befinden – ich habe sie aber leider nicht gefunden. Das was ich gesehen habe eignet sich kaum für ein “Best-Practice“ Programm.

Ein zweiter versuch führte mich zu einer Lerneinheit  “Räumliche Bevölkerungsbewegungen“.

Das ist recht gut gemacht – aber die Frage bleibt, warum man nicht eine einfache Powerpoint-Präsentation gemacht hat und diese ins Netz gestellt oder  per E-Mail an die Studenten verschickt hat?

Es wäre einfacher, zielgenauer, leichter zu ändern und natürlich billiger.

Schließlich fiel im Gespräch mit Herrn Apostolopoulos nach die Bemerkung, die Philosophen hätten ein großes Interesse an Wikis angemeldet (mein erste Frage: “warum nutzen sie nicht einen der vielen frei verfügbaren Blogs?“ stelle ich mal zurück). Ich habe daraufhin versucht mit Philosophen die Frage zu klären, was sie sich von einem Blog versprechen. Leider habe ich am Freitagmorgen  im Institut keinen telefonischen Kontakt gefunden.

Und ohne ein Gespräch reicht auch hier meine Fantasie nicht aus, in welchen didaktischen Situationen ein Wiki für Sokrates und Kant sinnvoll sein könnte.

Das wohl wichtigste Ergebnis des Gesprächs am Donnerstag war wohl dies, dass sich die cedis für Didaktik nicht verantwortlich fühlt – für mich ist es dagegen die wichtigste Frage. Ohne die Klärung der Frage läuft cedis Gefahr, eine teure Investitionsruine zu werden.

Vor jeder Einführung eines neuen Angebotes müsste nach meiner Meinung geklärt werden, für welchen Zweck all die technisch glitzernden Angebote nützlich sein könnten.

Es gibt in jeder Lehrveranstaltung nur eine begrenzter Reihe von didaktischen Grundsituationen.

Ein Wiki ist  nicht per se didaktisch attraktiv. So erscheint es mir z.B. für eine textorientierte Seminardiskussion weniger geeignet als ein Forum, weil sich Gesprächsstränge in einem Wiki nicht so leicht verfolgen lassen wie in einem Forum (pHp-Forum z.B.).

Nicht dass es nicht möglich wäre, aber es ist eben nicht bequem.

Für eine Projektarbeit, die sich an Texten orientiert (z.B. Herausgabe eines Buches, Schreiben von Skripten) scheint mit Wiki jedoch durchaus geeignet – wenn man nicht zurückgreift auf die einfachen Methoden die kooperativen Möglichkeiten von WORD zu nutzen.

Für Projektarbeit ist das sinnvollste Instrument nach meinen Erfahrungen immer noch der Mindmanager – der bleibt allerdings bei allen Überlegungen vollständig unberücksichtigt.

Diese Überlegungen ließen  sich an allen E-Learning Elementen anstellen – aber diese Überlegungen finden nicht statt obwohl es vernünftige, didaktisch sinnvolle Instrumente überall im Netz gibt. Es wäre durchaus eine sinnvolle Aufgabe, suchenden Dozenten einen Scout an die hand zu geben.

Zurück zum Gespräch: gänzlich dramatisch würde es wohl, wenn tatsächlich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt würde „streaming“ zum cedis-Angebot  zu machen.

Der nötige Finanzbedarf stünde in keinem Zusammenhang zu der Zahl der Nutzer, sowie zum didaktischen Mehrwert.