Nachlese Gralki
Von gralpia, 13:35Nachlese zum Apostolopoulos Gespräch
Ich fand es begrüßenswert, dass Herr Apostolopoulos und seine Mitarbeiter sich unseren Fragen gestellt haben, obwohl sie vorher wussten, dass wir eine durchaus kritische Einstellung zur cedis, zum e-learning und zu Blackboard haben.
Sie antworteten sicher und selbstbewusst und man hatte durchaus den Eindruck, dass sie von ihrer Sache überzeugt sind. Nur an einigen Stellen – und vielleicht gerade denen, die uns besonders interessierten, verdeckte Eloquenz ein wenig die Klarheit.
Gerade die Frage nach der Auswahl von Blackboard war für mich problematisch.
Meine Fantasie reicht nicht einfach nicht aus, dass man nach eingehender Prüfung sich ausgerechnet für ein System entschieden hat, dass aus meiner Sicht das problematische, weil behäbigste und nutzerunfreundlichste ist.
Auf Nachfrage welches Institut denn besonders fortschritten im E-Learning sei, erwähnte er als ein in besonders engagiertes Institut das LAI.
Ich habe mir daraufhin die Seiten es LAI einmal angesehen.
Die Institutsseite hat einen eigenen Bereich “e-learning“. Dort findet man auch einen Link zum Benutzerhandbuch für Blackboard. Es enthält 330 Seiten und Sätze wie diese
Sie können zwar die Verfügbarkeit von Elementen in einem Inhaltsbereich für jedes einzelne Element festlegen, jedoch hängt die Anzeige von Elementen für Benutzer davon ab, ob ein übergeordneter Ordner bis hin zum Stammordner des Inhaltsbereichs verfügbar ist. Ist ein übergeordneter Ordner nicht verfügbar, sind auch die darin enthaltenen Elemente nicht verfügbar. Wenn ein Ordner beispielsweise auf Nicht verfügbar, die Elemente im Ordner jedoch auf Verfügbar eingestellt sind, können die Benutzer die Elemente in dem Ordner nicht anzeigen.
Dies gilt auch für Elemente mit Regeln für die adaptive Freigabe. Wenn für einen Ordner eine Regel vorhanden ist, wodurch er für einen Teilnehmer nicht verfügbar ist, sind auch die Inhalte des Ordners für den Benutzer nicht verfügbar.
Und ich stelle mir den geisteswissenschaftlichen Gelehrten vor, der sich mit der Literatur Südamerikas beschäftigt , der sich mit diesem Buch auseinandersetzt. Die „siebte Umsatzsteuerdurchführunsverordnung zur steuerlichen Behandlung von Sojamehlersatzstoffen“ ist selbst für Steuerlaien eine leichte Lektüre dagegen.
Im Online Tutorial – im Inhaltsverzeichnis eine Mischung von deutsch und englisch – wird einem dann auch noch die Lesegeschwindigkeit vorgeschrieben.
In kleinen Filmchen zuckelt in jeder Einheit langsam ein kleines Filmchen über den Bildschirm um anzuzeigen, wo man im Ernstfall drücken muss – jede WORD-Hilfe ist ein Thriller dagegen.
Dann findet sich noch ein Kapitel mit der viel versprechenden Überschrift “Kursschmankel“.
Den neugierigen Leser erwartet eine Vielzahl von fachübergreifenden Kursbeispielen (Vulkanismus, Neue Medien und Arbeitstechniken in der Geschichtswissenschaft). Klickt man einen davon an, erwarten einen viele, viele Screenshots mit schrecklich trockenen und unverständlichen Inhalten – man muss immerhin zugeben, dieses Tutorial wurde an einer anderen Universität entworfen, aber diese Seiten wurden vom LAI immerhin als “Lernhilfe“ den eigenen Seiten hinzugefügt.
Und dann war ich zur Vorbereitung auf ein anderes Seminar auf den Seiten von “second life“ und erlebte, wie geschickt und gekonnt dem Newcomer hier das Spiel erläutert wird. Warum geht so etwas bei Blackboard nicht?
Und ich erinnerte mich an diese großartige amerikanische Buchreihe „“for dummies“ in der einem die schwierigsten Sachverhalte so gekonnt vermittelt werden. Schade nur, dass die deutschen Ausgaben des Verlags den Begriff „dummies“ übernommen haben und damit falsche Assoziationen hervorrufen.
Mein Besuch bei den Geographen war nicht viel erfolgreicher. Ich habe mir eine Seite über eine “hydraulische Versuchsrinne“ (mit Gastzugang) angesehen. Diese Seiten sind zwar mit mehr Bildern ausgestattet – aber wenn das die Zukunft des e-learning sein soll, dann sollten Studenten doch lieber Bücher lesen.
Ich will nicht bezweifeln, dass sich im Inneren der trockenen “LAI-E-Learning-Wüste“ fruchtbare und schöne didaktische Oasen befinden – ich habe sie aber leider nicht gefunden. Das was ich gesehen habe eignet sich kaum für ein “Best-Practice“ Programm.
Ein zweiter versuch führte mich zu einer Lerneinheit “Räumliche Bevölkerungsbewegungen“.
Das ist recht gut gemacht – aber die Frage bleibt, warum man nicht eine einfache Powerpoint-Präsentation gemacht hat und diese ins Netz gestellt oder per E-Mail an die Studenten verschickt hat?
Es wäre einfacher, zielgenauer, leichter zu ändern und natürlich billiger.
Schließlich fiel im Gespräch mit Herrn Apostolopoulos nach die Bemerkung, die Philosophen hätten ein großes Interesse an Wikis angemeldet (mein erste Frage: “warum nutzen sie nicht einen der vielen frei verfügbaren Blogs?“ stelle ich mal zurück). Ich habe daraufhin versucht mit Philosophen die Frage zu klären, was sie sich von einem Blog versprechen. Leider habe ich am Freitagmorgen im Institut keinen telefonischen Kontakt gefunden.
Und ohne ein Gespräch reicht auch hier meine Fantasie nicht aus, in welchen didaktischen Situationen ein Wiki für Sokrates und Kant sinnvoll sein könnte.
Das wohl wichtigste Ergebnis des Gesprächs am Donnerstag war wohl dies, dass sich die cedis für Didaktik nicht verantwortlich fühlt – für mich ist es dagegen die wichtigste Frage. Ohne die Klärung der Frage läuft cedis Gefahr, eine teure Investitionsruine zu werden.
Vor jeder Einführung eines neuen Angebotes müsste nach meiner Meinung geklärt werden, für welchen Zweck all die technisch glitzernden Angebote nützlich sein könnten.
Es gibt in jeder Lehrveranstaltung nur eine begrenzter Reihe von didaktischen Grundsituationen.
Ein Wiki ist nicht per se didaktisch attraktiv. So erscheint es mir z.B. für eine textorientierte Seminardiskussion weniger geeignet als ein Forum, weil sich Gesprächsstränge in einem Wiki nicht so leicht verfolgen lassen wie in einem Forum (pHp-Forum z.B.).
Nicht dass es nicht möglich wäre, aber es ist eben nicht bequem.
Für eine Projektarbeit, die sich an Texten orientiert (z.B. Herausgabe eines Buches, Schreiben von Skripten) scheint mit Wiki jedoch durchaus geeignet – wenn man nicht zurückgreift auf die einfachen Methoden die kooperativen Möglichkeiten von WORD zu nutzen.
Für Projektarbeit ist das sinnvollste Instrument nach meinen Erfahrungen immer noch der Mindmanager – der bleibt allerdings bei allen Überlegungen vollständig unberücksichtigt.
Diese Überlegungen ließen sich an allen E-Learning Elementen anstellen – aber diese Überlegungen finden nicht statt obwohl es vernünftige, didaktisch sinnvolle Instrumente überall im Netz gibt. Es wäre durchaus eine sinnvolle Aufgabe, suchenden Dozenten einen Scout an die hand zu geben.
Zurück zum Gespräch: gänzlich dramatisch würde es wohl, wenn tatsächlich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt würde „streaming“ zum cedis-Angebot zu machen.
Der nötige Finanzbedarf stünde in keinem Zusammenhang zu der Zahl der Nutzer, sowie zum didaktischen Mehrwert.


